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Bewährungswiderruf

Wenn  Sie unter laufender Bewährung stehen, kann es vorkommen, dass „mal was schief geht“ und das Gericht die Bewährung widerruft. Dies würde bedeuten, dass Sie die Freiheitsstrafe in der Folgezeit absitzen müssen.

Was kann man tun, wenn die Bewährung widerrufen wird?

Als erstes ist immer ein Blick in den Bewährungsbeschluss notwendig. In diesem Beschluss lassen sich nicht nur Angaben über die Bewährungszeit, sondern auch über möglicherweise erteilte Auflagen und Weisungen finden. Auch hier geht es schließlich immer um den Einzelfall.

Der Widerruf der Strafaussetzung zur Bewährung durch das Gericht ist gesetzlich geregelt in § 56f StGB. Danach widerruft das Gericht die Strafaussetzung, wenn die verurteilte Person

1. in der Bewährungszeit einer Straftat begeht und dadurch zeigt, dass die Erwartung, die der Strafaussetzung zugrunde lag, sich nicht erfüllt hat, oder

2. gegen Weisungen gröblich oder beharrlich verstößt oder sich der Aussicht und Leitung der Bewährungshelferin oder des Bewährungshelfers beharrlich entzieht und dadurch Anlass zu der    Besorgnis gibt, dass sie erneut Straftaten begehen wird, oder

3. gegen Auflagen gröblich oder beharrlich verstößt.

Gemäß Absatz 2 sieht das Gericht jedoch von dem Widerruf ab, wenn es ausreicht,

1.  weitere Auflagen oder Weisungen zu erteilen, insbesondere die verurteilte Person einer Bewährungshelferin oder einem Bewährungshelfer zu unterstellen, oder

2.  die Bewährungs- oder Unterstellungszeit zu verlängern.

Über einen Bewährungswiderruf entscheidet das Gericht in der Regel ohne mündliche Verhandlung durch Beschluss (§ 453 StPO). Dem Verurteilten muss aber grundsätzlich Gelegenheit gegeben werden, sich zu äußern. Dem Verurteilten soll Gelegenheit zur mündlichen Anhörung gegeben werden, wenn über einen Widerruf wegen des Verstoßes gegen Auflagen oder Weisungen zu entscheiden ist.

Soll gegen den Widerruf der Strafaussetzung zur Bewährung vorgegangen werden, ist das maßgebliche Rechtsmittel die „sofortige Beschwerde“ (§ 453 Abs. 2 StPO). Dabei ist darauf zu achten, dass die Frist für die sofortige Beschwerde außerordentlich kurz bemessen ist. Sie muss innerhalb einer Woche eingelegt werden. Daher ist eine umgehende Rücksprache mit einem Anwalt absolut notwendig.